Der Plan, mit anderen Freundeskreisen eine Broschüre herauszugeben, war am 2. Dezember 1988 auf jener ersten und einzigen Zusammenkunft der Freundeskreisvorsitzenden gescheitert (siehe Chronik: "Wie alles begann...").
Mein Vorschlag an den Kulturbund Leipzig, hier in der Stadt etwas allein zu veröffentlichen, wurde abgelehnt. So entstand die Idee, wenigstens ein kleines Informationsblatt anzufertigen. Dafür bekam ich die Zustimmung. Im Februar 1989 lag dann das erste Blatt vor.
Allerdings gab es große Schwierigkeiten. Matrizen und Papier mussten besorgt werden. Das Vervielfältigen übernahm der Kulturbund, allerdings sehr widerwillig. Die Qualität war schlecht und ich bekam immer viel zu wenig Exemplare, die nicht für alle Mitglieder reichten.
Ich stellte dann im Mai bei meinem Werkleiter den Antrag, die Blätter im Betrieb vervielfältigen zu dürfen. Das wurde genehmigt, allerdings mit der Auflage, das notwendige Papier selbst zu besorgen. Nun lief es besser.
Zur Erinnerung an die erste gemeinsame Fahrt des Freundeskreises, am 18. März 1989 besuchten wir das Karl-May-Museum in Radebeul und legten unter anderem an der Grabstätte Karl Mays ein Blumengebinde nieder, erschien zum ersten Mal ein Infoblatt mit Abbildungen. Mir war es nun endlich gelungen, die Dame, die in meinem Betrieb am Kopiergerät arbeitete, zu bestechen. Jedes Infoblatt, das dann dort von ihr vervielfältigt wurde, kostete übrigens ein Päckchen Moccafix-Gold, die Luxusmarke des DDR-Kaffees.
Der Umfang der Infoblätter wuchs im Laufe der Jahre ständig an. "Schuld" daran waren besonders die Zuarbeiten vieler Karl-May-Freunde, die entweder Mitglieder unsres Vereins sind oder sich dem Freundeskreis verbunden fühlen. In ganz Deutschland, zum Teil sogar im Ausland werden Zeitungsausschnitte gesammelt, die sich mit May, seinen Büchern in den verschiedenen Editionen, der Sekundärliteratur, den Theaterstücken, den Filmen und Rundfunksendungen, mit Episoden aus dem Umfeld der Karl-May-Szene, mit Briefmarken oder Münzen für May beschäftigen. Die Infoblätter bemühen sich dabei, möglichst alle Schattierungen zu beleuchten.
Daneben spiegelt sich das Vereinsleben des Freundeskreises in den Blättern wieder. Über Vorträge oder Exkursionen wird in Rückblicken berichet, auf kommende Veranstaltungen wird eingestimmt, wichtige Dokumente des Vereins werden veröffentlicht.
Die ersten 18 Informationsblätter umfassten jeweils eine A4-Seite. Sie wurden auf ORMIG-Matrizen geschrieben (falls noch einer weiß, was für ein vorsintflutliches Vervielfältigungsverfahren das war), hatten blaue Schrift und konnten in der Regel 50-60 mal abgezogen werden, dann war Schluss für alle Zeiten. Lediglich drei der Blätter waren kopiert und schwarz und bebildert. Die Nr. 19 bestand dann erstmals aus 2 Seiten, blieb aber eine Ausnahme.
Die Wende markierte dann auch das Ende der ORMIG-Ära.
Im Februar 1990 wurde mit der Nr. 25 das letzte Infoblatt in der alten Technik vervielfältigt.
Nr. 40 vom Dezember 1990 wurde erstmals doppelseitig kopiert, was bis zur Nr. 57 im November 1991 die Regel wurde. Die Nr. 58, die Weihnachtsnummer 1991, läutete dann eine Entwicklung ein, die dem Schatzmeister zunehmend die Haare zu Berge treibt. Erstmals auf einem A3-Kopierer hergestellt, als Faltblatt vorn und hinten mit Text und Bildern, wuchs der Umfang von zunächst harmlosen vier über sechs und acht Seiten bereits bei Nr. 72, Weihnachtsnummer 1992, auf 12 A4-Seiten an.
Bei diesem Umfang ist es in der letzten Zeit vorwiegend geblieben, wenn es auch mehrmals schon 14 oder 16 Seiten waren.
(Nachdruck aus "Karl May in Leipzig", Nr. 32 vom März 1998)
Nachtrag: Die Infoblätter wurden aus rechtlichen Gründen im Juni 2000 eingestellt.
Nachfolger ist das Karl-May-Panorama.